Finanzielle Führung gehört zu den Kernaufgaben des Verwaltungsrats. Wer Verantwortung übernimmt, muss die Zahlen nicht nur kennen, sondern auch verstehen – und daraus die richtigen Entscheidungen ableiten können.
Immer wieder begegnet mir in meiner Beratungspraxis dieselbe Haltung:
«Für Finanzkompetenz ist die Geschäftsleitung zuständig – der Verwaltungsrat muss das nicht im Detail verstehen.»
Diese Sichtweise ist nicht nur trügerisch, sondern auch gefährlich. Denn die rechtliche Verantwortung für die finanzielle Gesamtführung liegt klar beim Verwaltungsrat (OR 716a und 725). Wird diese Verantwortung nicht wahrgenommen, drohen im schlimmsten Fall zivil- und strafrechtliche Konsequenzen.
Doch auch jenseits der rechtlichen Perspektive ist fundierte Finanzkompetenz entscheidend: Nur wer zentrale Finanzkennzahlen versteht und richtig einordnet, kann strategisch solide Entscheidungen treffen und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens sichern.
Finanzkompetenz im Verwaltungsrat: Was bedeutet das in der Praxis?
- Kritisch nachfragen – und nicht locker lassen, bis Sachverhalte nachvollziehbar sind.
- Informationsdefizite ausgleichen – indem relevante Dokumente konsequent eingefordert werden.
- Revision aktiv nutzen – interne und externe Prüfinstanzen sind wertvolle Sparringpartner.
- Finanzielle Führung als Kernaufgabe verstehen – mit einem klaren Blick auf Finanzplanung, Liquidität, Rentabilität und Finanzierungsstruktur.
Finanzkompetenz im Verwaltungsrat bedeutet nicht, dass alle Mitglieder CFO-Niveau erreichen müssen. Aber ein reines Grundverständnis reicht nicht aus. Ein Verwaltungsrat, der seine Aufgabe ernst nimmt, braucht die Fähigkeit, Zahlen nicht nur zu lesen, sondern sie einzuordnen, Konsequenzen abzuschätzen und darauf basierend Verantwortung zu übernehmen.