Frauen führen nicht grundsätzlich anders als Männer, setzen aber oft andere Schwerpunkte – etwa mehr Partizipation und Zusammenarbeit. Gleichzeitig zeigt sich: Unterschiede im Führungsstil verlaufen häufig stärker zwischen Generationen als zwischen Geschlechtern.
In Gesprächen mit Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten taucht die Frage nach «weiblicher» Führung dennoch regelmässig auf. Die Erwartung dahinter ist oft klar: Frauen müssten doch anders führen.
Meine Erfahrung aus verschiedenen Mandaten – und auch viele Studien – zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. Frauen führen nicht grundsätzlich anders, aber sie setzen häufig andere Akzente.
In Führungsrollen nehme ich Frauen oft transformativer und partizipativer wahr. Zusammenarbeit, Einbindung und gemeinsame Verantwortung spielen tendenziell eine grössere Rolle.
Der eigentliche Unterschied: Generation statt Geschlecht
Spannend ist für mich jedoch eine andere Beobachtung:
Der Unterschied verläuft weniger entlang Frau vs. Mann, sondern häufig entlang der Generation.
Das klassische Bild des Hero-CEO verliert zunehmend an Bedeutung. Kooperative Führungsmodelle gewinnen an Gewicht – etwas, das auch aktuelle Leadership-Studien bestätigen.
In der Praxis zeigt sich das sehr deutlich:
Jüngere CEOs (30–50 Jahre) holen mich oft früh als externe Sparringspartnerin ins Unternehmen. Sie suchen bewusst nach Perspektiven von aussen, um ihr Unternehmen weiterzuentwickeln.
Ältere CEOs dagegen suchen externe Beratung meist erst dann, wenn der Veränderungsdruck bereits sehr hoch ist.
Die Realität in Schweizer Führungsgremien
Gleichzeitig bleibt die Realität in der Schweiz klar:
Der Frauenanteil in Geschäftsleitungen liegt laut aktuellem Schillingreport bei rund 22 %, in Verwaltungsräten bei etwa 33 %.
Ein weiterer Punkt fällt dabei auf: Frauen führen deutlich häufiger Frauen als Männer.
Für Unternehmen bedeutet das aus meiner Sicht:
Es geht nicht um «besser» oder «schlechter», sondern darum, unterschiedliche Perspektiven bewusst zu nutzen.
Genau deshalb brauchen wir gemischte Führungs- und Verwaltungsgremien.
Nicht als «Nice to have», sondern als Voraussetzung für bessere Entscheidungen und zukunftsfähige Unternehmen.